Auf dieser Seite möchte ich Ihnen die Orte, die im Roman beschrieben werden und an denen wichtige Szenen spielen, näher bringen:
Versailles
Es war im Jahr 1623, als Louis XIII. entschied, im Val de Galie ein Haus zu errichten, um nach der Jagd nicht umgehend nach Paris zurückkehren zu müssen. Bereits ein Jahr später stand ein Jagdschloss dort, wo sich zuvor eine Windmühle, ein Dörfchen und eine Ruine das sumpfige Tal teilten.
Zu Beginn der 30er Jahre des 17. Jh. erweiterte Philibert Le Roy das Schloss und der König kaufte weitere 50 Hektar Land, um den Platz für die Gartenanlagen zu verdoppeln.

Die Gravur Israel Silvestres zeigt die Front des Schlosses zum Garten. Links und rechts sind die Pavillions zu sehen, die während der Erweiterungsarbeiten Le Roys entstanden.
Doch 290.000 livres, die in Erwerb von ca. 90 Hektar Land und Ausbau des Jagdhauses investiert wurden, nahmen sich geradezu bescheiden aus gegen die Planungen Louis XIV. Bereits 1662 erreichte der Park die Fläche von 1000 Hektar. Ihm gelang, was seinem Vater versagt blieb: Louis begeisterte seine Geliebte Louise de la Valliére für Versailles.
Doch nicht nur die Liebe sollte in Versailles gelebt werden, sondern auch und in besonderem Maße die Macht. Die Sonne als Symbol höchster Machtentfaltung faszinierte den jungen König und er wählte sie zum Zeichen seiner Herrschaft.

Die Skizze (nach einem Entwurf von Gomboust) zeigt vorn das prachtvolle Tor, dahinter schliesst sich ein Platz an, der von Wirtschaftsgebäuden gesäumt ist. Über eine Brücke erreichte man den Ehrenhof. Bemerkenswert ist der Wassergraben! Am oberen Rand des Bildes erkennt man die ersten Ausläufer der Parkanlage. (Beide Darstellungen mit freundlicher Genehmigung von Nicolas d'Archimbaud)
Schloß Fontainebleau
Detail der Anlage vom Jardin francais aus betrachtet
Die genaue Entstehung des Schlosses von Fontainebleau verharrt im Dunkel der Zeit. Bereits 1137 wird es urkundlich erwähnt und als Ludwig IX., genannt "der Heilige", begann, sich für die Domäne zu interessieren, gründete er zuerst einmal eine religiöse Gemein-schaft. Bekannt ist, dass das Schloß im Mittelalter nur den Cour ovale (Ovalförmiger Hof) umfasste und dass die Luft im Wald als so sauber und frisch galt, dass die Könige sich gern hierhin zurückzogen.
Doch erst Francois I. begann 1526, die marode gewordenen Gebäude entweder zu restaurieren oder abzureissen und das Schloß insgesamt zu erweitern. Er bediente sich der italienischen Künste, Bauwerke und Handwerker, um ein neues 'Rom' zu errichten, denn das Renaissance-Schloß wurde zur Residenz der Ile-de-France und damit zur Residenz der Könige Frankreichs.
Sein Nachfolger Henri II. errichtete den Ballsaal und beliess es dabei, denn es zog ihn fort von Fontainebleau und hin zu seiner Geliebten Diane de Poitiers - und die logierte in Anet.
Catherine de Medicis stellte einen neuen, einen italienischen Archi-tekten ein. Francesco Primaticcio. Ihr verdankt ein Hof seinen Namen "Cour du cheval blanc". Ein schneeweisser Gipsabdruck des Pferdes Marc Antons, das auf dem Kapitol in Rom steht, wurde in Fontainebleau platziert. Ein Baldachin mochte den Gips vor Regen schützen, jedoch nicht vor der Verwitterung und dem unermüdlich knabbernden Zahn der Jahrhunderte. Heute erinnert nur noch ein Stein an den ursprünglichen Standort.
Unter Henri IV. wurde weiter Richtung Norden und Osten gebaut. Es kam das neue Gesinde- und Beamtenhaus hinzu und dort, am Cour des Offices öffnete sich eine hohe Tür zur Stadt - der Ehren-eingang.
Der Ehreneingang
Die Gartenanlagen wurden dramatisch erweitert, denn der König liebte die freie Natur und brauchte seine Beete und Bassins.
Louis XIII. schliesslich verdanken wir die imposante Hufeisen-treppe. Mehr nicht.
Amalia Koslowski, 2007
Sein Sohn Louis XIV. hingegen brauchte größere Gebäudetrakte, um anlässlich der Herbstaufenthalte seinen gesamten Hof unter-zubringen (der Grand Dauphin wurde in Fontainebleau geboren). Auch sind ihm die Aufträge zur Ausgestaltung der Gärten zuzu-schreiben, die von Le Nôtre ausgeführt wurden.
Ausrichtung: Norden = oben
1- Cour du cheval blanc, 2- Jardin de Diane, 3- Cour de la Fontaine, 4-Grand Parterre mit dem Bassin du Tibre, 5- Etang des Crapes mit Pavillion, 6- Jardin anglais, 7- les Cascades, 8- Bassin du Romulus, schwarz = Schloß/Gebäudeteile. * Das im Roman beschriebene (fiktive!) Labyrinth befindet sich südöstlich des Bassin du Romulus.
Vaux-le-Vicomte
Das Corps de logis
In nur 5jähriger Bauzeit wurde Vaux-le-Vicomte, das Schloß des Finanzministers Nicolas Fouquet, errichtet und mit einem Garten versehen. Hier zeigten Louis le Vau, Charles le Brun und André le Nôtre, welchen Grad ihr Können erreicht hatte. Von 1656-1661 kreierten sie ein Gesamtkunstwerk, das den König brüskierte.
Nicolas demonstrierte seine Macht, sein Vermögen und seinen Sinn für Kunst und Design. Unendlich mehr als den Kunstverstand sah Louis XIV. die Macht seines Finanzministers, die sich darin zeigte, in kürzester Bauzeit ein solches Schloß erstehen zu lassen. Woher die Massen an Geld stammten, war dem König klar: das Staatssäckel hatte herhalten müssen. Und der Minister glaubte, so gerissen wie ein Fuchs und so wendig wie ein Eichhörnchen zu sein, das die höchsten Äste der Macht zu erklimmen vermag. Nicht umsonst ziert das Wappen des Ministers das Eichhörnchen und der Spruch: wohin vermag es nicht zu klettern?
Der König entschied letztlich, das Eichhörnchen nicht zum Tode zu verurteilen, sondern auf die Festung Pignerolle zu verbannen, damit es die Annehmlichkeiten einer Haft geniessen und nichts seiner Machenschaften ausplaudern konnte.
Nach der Verhaftung im September 1661 in Nantes wurde der Minister zuerst nach Angers gebracht. Nach dem Prozeß und noch in der Verbannung starb Fouquet im Jahr 1680.