TERESA
Leichter Schritt auf dichtem Flor.
Den Blick hinauf zur holzvertäfelten Decke,
große Welt einatmend,
erstklassig sein.
Glänzende Nylons in Highheels,
Perlen zum kleinen Schwarzen.
Sorgfältig-strenge Hochsteckfrisur.
Champagner ruht in gekühltem Kristall.
Faites vos jeux von sieben Tischen.
Die Samttasche mit geplantem Einsatz
verspricht Spannung. Dem Alltag
entflohen – für einige Stunden.
Faites vos jeux an einem Kessel.
Die Jetons fliegen auf das Grün,
der Croupier plaziert einen Zehner,
bleibt distinguiert.
Erste Kolonne.
Rien ne va plus.
Fingerspitzen trommeln.
Es fällt die Drei.
Impasse, rot.
Noch ein Zehner.
Rien ne va plus!
Passe, schwarz fällt.
Der geplante Einsatz ist verspielt.
Ein Fünfer auf das erste Dutzend -
die sieben fällt.
Erhoffte Freude.
Manikürte Finger ziehen den Gewinn ab.
Die Jetons fliegen in den Himmel.
Dreimal, viermal, zehnmal.
Handwechsel – drei Coups gehen verloren.
Drei Croupiers sammeln die Verlorenen ein.
Kritischer Blick. Nur ein Spiel?
Der Puls rast – die Reserve ist verbraucht,
die Fussballen brennen, der Rücken schmerzt.
Keine Erholung.
Es muss klappen! Es muss!!
Noch ein Jeton.
Der Letzte.
Ein Zehner. Es wird die 32 sein.Unruhiger Blick,
rechte Hand hält den Aufschrei zurück.
Rien ne va plus!
Die Kugel hüpft, rollt, fällt – nicht.
Sie springt noch einmal, bleibt liegen.
32. Die Hand entlässt den Schrei – endlich!
Tränen glitzern über einem strahlenden Lächeln.
Die Croupiers wechseln Blicke.
Siebzehn Zwanziger im Samt,
und noch einer für die Angestellten.
Leichter Schritt auf dichtem Flor,
den Blick hinauf zur holzvertäfelten Decke.
Glück gehabt!
Amalia Koslowski
August 2006, Casino
Wiesbaden für meine Schwester